


Kanton Obwalden
Offensichtlich war die
Strohverarbeitung, inbesondere das Knüpfen von
Röhrlihüten (das «Hüetle»), in diesem Kanton
im 19. Jahrhundert stark verbreitet. Eine blühende Heimindustrie
entstand jedoch hier erst ab der zweiten Hälfte dieses
Jahrhunderts.
Es wurde dazu Hafer- oder Roggenstroh verwendet. Die Hüte konnten
zu 50–80 Rappen pro Stück abgeliefert werden. Die
Hüetlerei war vorallem Sache der Frauen. Eine geschickte
Hutknüpferin konnte angeblich im Tag bis zu zwei Hüte
fertigstellen.
Wie anderswo spielte auch hier der Fergger oder die Ferggerin eine
entscheidende Rolle. Als Vermittler zwischen den Heimarbeiterinnen und
den Fabrikanten bestimmten sie die Auftragsbedingungen und prüften
die Qualität der Produkte. Ferggstellen gab es in Giswil, Kerns,
Lungern, Melchtal und Sarnen.
Die Auftragslage war sehr stark vom Ausland abhängig, denn die
Röhrlihüte wurden mehrheitlich in die europäischen
Länder und nach Amerika exportiert.
Wie im Kanton Freiburg, gab es ab 1924 mit der damaligen Canotier-Mode
eine letzte Erfolgswelle für den Röhrlihut.