


Das Rosshaar
in der Strohindustrie
In der früheren Aargauer Strohindustrie kann die Verwendung von
Rosshaar bis um 1830 zurück verfolgt werden.
Einerseits wurden, vor allem aus dem sächsischen Erzgebirge, Klöppelspitzen aus Rosshaar, sogenannte Rosshaarblonden eingeführt. Andererseits wurde Rosshaar auch in der Schweiz, insbesondere im Entlebuch gereinigt und geknüpft, um es in der Strohverarbeitung weiter zu verwenden. 4000–5000 Frauen waren damit während Jahrzehnten in Heimarbeit beschäftigt.
Die Rosshaarspitzen wurden mit Strohverzierungen kunstvoll garniert und bestickt und zu modischen Produkten verarbeitet.
Mit der Einführung der Flechtmaschinen in der Strohindustrie um 1840, begann das Rosshaar eine sehr wichtige Rolle zu spielen. Es konnte nun als selbständiges Flechtmaterial direkt zu schmalen oder breiten Geflechten verarbeitet werden. Ab 1860 wurden eigentliche Rosshaarfabriken gebaut, wo auf den Flechtmaschinen zur Hauptsache Rosshaar verflochten wurde.
Um das Jahr 1875 verlor das Rosshaar dann seine Bedeutung wieder.
Hubert Boschung, Oktober 1999
(Quelle: G. Rodel)
© Schweizerische Stiftung Strohverarbeitung